Nachrichten

Kohle für Knochen-Karrieristen oder:
Wie Medtronic den Money Growth Factor erfand

(30.07.2013) Um ihren Knochenwachstumsfaktor InFuse zum Blockbuster zu machen, scheute die Firma Medtronic offenbar vor keiner Manipulation zurück. Ein Bericht des Finanzausschusses des US-Senats vom Oktober 2012 bezichtigt Medtronic des Wissenschaftsbetrugs mit Geister- und Gastautoren, der üppigen Honorierung von Meinungsbildnern, des Verschweigens von Nebenwirkungen und der verdeckten Finanzierung eines FDA-Beraters.1

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Ärztetag fordert Offenlegung aller Industrie-Zuwendungen an Ärzte

(07.07.2013) Der 116. deutsche Ärztetag hat die Bundesärztekammer beauftragt, für eine Offenlegung aller industriellen Zuwendungen an Ärzte einzutreten – nach dem amerikanischen Vorbild des Physician Payments Sunshine Act.1 Dieser wurde vom republikanischen Senator Charles Grassley initiiert und erhielt als Teil der Gesundheitsreform der Obama-Regierung 2010 Gesetzesrang.1

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EU schafft Transparenz bei Studienberichten

(02.06.2013) Der Gesundheitsauschuss der EU hat am 29.5.2013 eine neue „Verordnung über klinische Prüfungen mit Humanarzneimitteln“ auf den Weg gebracht, mit deren Annahme durch das Europäische Parlament im Herbst gerechnet wird.1 Darin enthalten ist ein echter Durchbruch für die Transparenz: Künftig müssen die „Clinical Study Reports“, also die detaillierten Studienberichte, in einer öffentlichen Datenbank zugänglich gemacht werden. Das Verschweigen unliebsamer Ergebnisse, das Medikamente wie Vioxx, Rosiglitazon und Reboxetin zu Blockbustern machte, bevor Sie wegen Nebenwirkungen oder Wirkungslosigkeit vom Markt genommen werden mussten, wird damit erheblich erschwert.

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Pharmaindustrie sieht Korruptionsrisiken

(18.04.2013) Wer hätte das gedacht? Zwei Drittel der deutschen Arzneimittelhersteller wünschen sich eine Regelung, mit der Korruption niedergelassener Ärzte unter Strafe gestellt wird.1 Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers befragte 50 Pharmaunternehmen und kommt zu der Schlussfolgerung, dass „gerade die Pharmabranche einem erhöhten Korruptionsrisiko ausgesetzt“ sei, jedoch werde „der Bekämpfung von Korruption im Vergleich zu anderen Branchen weniger Aufmerksamkeit gewidmet“. So habe nur jedes dritte Pharmaunternehmen (36 Prozent) ein Antikorruptionsprogramm vorzuweisen, also etwa eine Hotline oder einen Beauftragten. Branchenübergreifend liege der Schnitt bei 59 Prozent.

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Deutsche Initiative für Datentransparenz

Unterstützen Sie die Berliner Erklärung 2012: Keine Verheimlichung von Studiendaten!

(10.03.2013) Viele Menschen haben sich für klinische Studien zur Verfügung gestellt oder nehmen aktuell an ihnen teil, um dem Fortschritt der medizinischen Wissenschaft und damit dem Allgemeinwohl zu dienen. Die Auftraggeber der Studien betrachten aber die Daten offenbar als ihr „Eigentum“ und verweigern, wie im Fall des umstrittenen Grippemedikamentes Tamiflu®, den uneingeschränkten Zugang zu den Daten für eine unabhängige Überprüfung der Wirksamkeit oder von gefährlichen Nebenwirkungen. Die Gesundheit aller Menschen ist bedroht, wenn Daten weiter unter Verschluss gehalten werden dürfen. Wir wollen deshalb, dass die jetzt von der EU-Kommission und dem EU Parlament vorbereitete „Clinical Trials Regulation“ die vier Forderungen der Berliner Erklärung 2012 umsetzt, um gesundheitlichen und finanziellen Schaden von der Zivilgesellschaft Europas abzuwenden.

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Alltrials: Ein Aufruf zur Offenlegung aller Studiendaten

(26.01.2013) Es wird geschätzt, dass die Hälfte aller abgeschlossenen klinischen Studien nicht veröffentlicht werden. Der Verlust dieser wichtigen Daten verhindert eine ausgeglichene Bewertung des Nutzens von Therapien (Publikationsbias). Die internationale Initiative Alltrials ruft Regierungen, Zulassungsbehörden und medizinische Gesellschaften auf, gesetzliche Regeln für eine Verpflichtung zur Meldung und vollständigen Veröffentlichung von klinischen Studien zu implementieren. Dieser Aufruf wurde u.a. vom British Medical Journal initiiert und bisher von über 10.000 Personen unterzeichnet, darunter auch Organisationen wie die Cochrane Collaboration und das IQWIG.

Zeichnen Sie auch! www.alltrials.net

Klaus Lieb ist „Hochschullehrer des Jahres“

(27.12.2012) Sein Engagement für integre Wissenschaft und für klare Regelungen von Interessenkonflikten hat Klaus Lieb zum neuen „Hochschullehrer des Jahres“ gemacht. Den vom deutschen Hochschulverband gestifteten und mit 10.000 Euro dotierten Preis wird Klaus Lieb am 18.3.2013 bei der „Gala der deutschen Wissenschaften“ in Leipzig entgegennehmen. Der Ordinarius für Psychiatrie in Mainz ist Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Mitgründer der pharmakritischen Ärztevereinigung Mezis („Mein Essen zahl ich selbst“, www.mezis.de) und Mitherausgeber von „Interessenkonflikte in der Medizin“ (Springer 2011), außerdem psychiatrischer Schriftleiter von InFo Neurologie&Psychiatrie.

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NeurologyFirst trifft DGN-Vorstand

(18.12.2012) Am 13.12. konnten wir dem DGN-Vorstand unseren Appell mit den Namen der 434 Unterzeichner überreichen. Anlass war ein Gespräch, zu dem der DGN-Vorstand in die Berliner DGN-Zentrale eingeladen hatte. Unsere Initiative wurde durch Prof. Jörg, PD Dr. von Brevern, Dr. Völzke und Prof. Lempert vertreten. Das Gesprächsklima war offen und kollegial und erlaubte den Austausch auch der kontroversen Punkte. Von beiden Seiten kamen konstruktive Vorschläge, wie man das Ziel der ärztlichen Unabhängigkeit voranbringen kann. Am Folgetag kam der DGN-Vorstand zusammen und beschloss formal die Berufung einer Kommission „Code of Conduct“, die Vorschläge zur Regelung von Interessenkonflikten erarbeiten soll. Vorrangig soll es dabei um die Leitlinien und die Jahreskongresse gehen. Diese Kommission soll „bunt“ werden und Vertreter unserer Initiative sowie externe Experten einschließen. Ab 2013 soll es eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Interessenkonflikte bei der DGN-Jahrestagung geben.

Neu: „Bad Pharma“ von Ben Goldacre

(16.12.2012)
news_goldacre_authorDer britische Psychiater und vielfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalist Ben Goldacre hat soeben ein Opus magnum der Pharmakritik vorgelegt. In „Bad Pharma“1, das im Februar in deutscher Übersetzung erscheinen wird, zeigt er auf, wie das wissenschaftliche Urteil über neue Medikamente von der Entwicklung über die klinische Prüfung bis zur Vermarktung systematisch verzerrt wird. Treibende Kraft sind die Gewinninteressen der Hersteller, während die Aufsichtsbehörden ihre Kontrollfunktion nur unzureichend wahrnehmen. Das direkte Fälschen von Daten spielt dabei, anders als manche Verschwörungstheoretiker vermuten mögen, keine wesentliche Rolle. Genutzt werden andere Werkzeuge wie nicht-repräsentative Studienpopulationen, Placebos statt Standardtherapie in der Vergleichsgruppe, inadäquat dosierte Vergleichspräparate, Surrogat-Endpunkte, nachträgliches Ändern der primären Endpunkte, Subgruppenanalysen, Nicht-Publikation ganzer Studien, Ghostwriting sowie Einbindung der ärztlichen Meinungsführer in das Marketing.

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BMJ verlangt Offenlegung von Studiendaten

(15.12.2012) Fiona Godlee, Herausgeberin des British Medical Journal, ist um klare Worte nicht verlegen:

„The drug industry does many good things. It produces medicines that can improve health and save lives….Sadly, it does bad things too. Persistently and systematically over decades it has withheld and misreported data from clinical trials. As a result, a whole range of widely used drugs across all fields of medicine have been represented as safer and more effective than they are, endangering people’s lives and wasting public money. Such wilful distortion is scientific misconduct.“1

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DGN-Vorstand beschließt Arbeitsgruppe zu Interessenkonflikten

(30.09.2012) Auf der Mitgliederversammlung beim DGN Kongress in Hamburg am 28.09.12 gab Prof. Oertel den Vorstandsbeschluss bekannt, eine Kommission „Code of Conduct“ (=Verhaltenskodex) einzusetzen, die Vorschläge zum Umgang mit Interessenkonflikten erarbeiten wird. Daran sollen auch externe Berater, z.B. aus der Medizinethik, und Unterstützer unserer Initiative beteiligt sein. Wir begrüßen diesen Schritt und glauben, dass die DGN damit anderen medizinischen Fachgesellschaften beispielhaft vorangeht.

Umfassende Deklaration von Interessenkonflikten für DGN-Leitlinien angekündigt

(30.09.2012) Zeitgleich mit dem DGN-Kongress ist der Leitlinienband in der 5. Auflage erschienen. Prof. Diener kündigte während der Mitgliederversammlung der DGN an, dass die in Zukunft nur noch Online verfügbaren aktualisierten Leitlinien detaillierte Angaben zu den Interessenkonflikten einzelner Autoren enthalten werden. Zukünftige Leitlinien sollen zunächst in einer vorläufigen Fassung in der „Aktuellen Neurologie“ erscheinen, um eine Diskussion der Empfehlungen in der neurologischen Öffentlichkeit anzustoßen, bevor die Endfassung erstellt wird.

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