Appell an die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland zum Umgang mit Interessenkonflikten

(08.05.2015) Als Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen wenden wir uns an die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland und ihre Dachorganisation, die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), um Vorschläge für den Umgang mit Interessenkonflikten bei Leitlinienautoren zu machen. Klinische Behandlungsleitlinien sollen Ärzten und Patienten Orientierung zur bestmöglichen Behandlung einer Krankheit bieten. Sie müssen sich ausschließlich auf die verfügbare wissenschaftliche Evidenz stützen und dürfen nicht von kommerziellen Motiven der Hersteller von Arzneimitteln und Medizinprodukten beeinflusst werden. Die ärztlichen Autoren medizinischer Leitlinien sind jedoch häufig mit der Industrie verflochten, beispielsweise durch Beraterverträge, Vortragshonorare und Industrie-finanzierte Studien.

Zur wirksamen Regulierung von Interessenkonflikten schlagen MEZIS, Transparency Deutschland und NeurologyFirst sowie alle Unterzeichner die folgenden Maßnahmen vor:

  • Zusammensetzung der Leitliniengruppen
    Mindestens 50% der Leitlinienautor(inn)en sollen keine oder allenfalls geringfügige Interessenkonflikte haben. Langfristiges Ziel ist die Unabhängigkeit aller Leitlinienautoren. Die federführenden Leitlinienautoren dürfen keine Interessenkonflikte haben. Bei interdisziplinären Leitlinien entsenden die beteiligten Fachgesellschaften einen Vertreter ohne Interessenkonflikte, falls sie nur einen Vertreter stellen. Fachgesellschaften, die mehrere Vertreter entsenden, beachten die 50%-Regel. Sie identifizieren und entwickeln aktiv unabhängige Leitlinienautoren aus den Reihen ihrer Mitglieder.
  • Bewertung von Interessenkonflikten
    Die Selbstbewertung der Interessenkonflikte nach eigenem Ermessen entfällt in Zukunft, da sie nicht funktioniert. Stattdessen braucht es klare Kriterien zur Bewertung der Schwere von Interessenkonflikten. Zu diesen Kriterien wird auch die Festlegung gehören, ob bestimmte Interessenkonflikte, beispielsweise ein Beratervertrag mit einer Firma, eine Mitarbeit an einer Leitlinie gänzlich ausschließen. Die Interessenkonflikte der Autoren werden bereits bei Anmeldung des Leitlinienprojekts bei der AWMF deklariert und von der AWMF bewertet.
  • Enthaltung bei Abstimmungen
    Bei Abstimmungen zu einzelnen Empfehlungen gilt: Wer einen Interessenkonflikt zu einem Hersteller der zu bewertenden Produkte angegeben hat, muss sich enthalten. Die Einhaltung dieser Regel wird für jede Abstimmung protokolliert. Zudem wird das jeweilige Abstimmungsergebnis in der Langfassung der Leitlinie vermerkt. Experten mit erheblichen Interessenkonflikten können punktuell als Berater hinzugezogen werden, falls auf ihre Expertise nicht verzichtet werden kann.
  • Konsultationsprozess
    Der Einfluss von Interessenkonflikten kann außerdem durch eine Internet-basierte Diskussion des Leitlinienentwurfs durch die Mitglieder der beteiligten Fachgesellschaften gemildert werden.

 

Lesen Sie hier mehr zum Hintergrund des Appells

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(Organisationen, die diesen Appell unterstützen wollen, senden bitte eine Email an info@neurologyfirst.de . Neben dem Namen der Organisation nennen Sie bitte einen Ansprechpartner mit Email-Adresse für Rückfragen.)

Zum Umgang mit Interessenkonflikten

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Zur vollständigen Liste der Unterzeichner

Unterzeichnende Organisationen

  1. MEZIS
  2. Transparency International Deutschland
  3. NeurologyFirst
  4. BUKO Pharma-Kampagne / Gesundheit und Dritte Welt
  5. Verein Demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP)
  6. Bioskop
  7. Ärzte für individuelle Impfentscheidungen
  8. Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte (VdÄÄ)
  9. Junge Allgemeinmedizin Deutschland (JADE)
  10. Thure von Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin (AIM)
  11. IPPNW Deutschland, Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung
  12. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM)
  13. Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V. (DGSP)
  14. Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland (GAÄD)
  15. Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi)
  16. Trierer Aktionsgruppe MS

Kommentare

  • Dr. Stephan Heinrich Nolte, Marburg (10.06.2015)

    ich finde die Initiative klasse, störe mich allerdings am Titel „Neurology first“. Denn es soll nicht um die (akademischen) Interessen des Fachgebietes Neurologie gehen, sondern „Patient First“. Leider sind m.E: die Partikularinteressen der einzelnen Fächer in ihren historischen Dimensionen ein echtes Hindernis für eine patientenorientierte Medizin.
    Ich hatte deshalb von einem Jahr an den Vorstand unseres Berufsverbandes, des BVKJ (Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte) versucht, einen ähnlichen Anlauf, mit dem Namen: „Zuerst das Kind“ zu starten. Leider wurde der Vorschlag im Rahmen des Verbandes abgeschmettert; ich müßte es außerhalb des Verbandes nochmal versuchen, was ich bislang nicht gemacht habe. Auch der BVKJ und die DGKJ (Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde) sind total pharmaabhängig und wollen es auch bleiben. Rühmliche Ausnahme ist vielleicht die DEGAM.

  • M.E. Kornhuber (31.05.2015)

    Ein starker Einfluss erfolgt m.E. über Drittmittel, ohne die Forschung kaum möglich ist. Solche Drittmittel sind oft einzelnen Personen zugeordnet, wobei sich der Einfluss evtl. auf die ganze Arbeitsgruppe auswirkt. Es wird evtl. nicht immer leicht sein, derartig verdeckte Einflüsse zu berücksichtigen.

  • d.Claus, Darmstadt (31.05.2015)

    Ich untertütze den Aufruf und weise darauf hin, dass die DGKN bereits einen Kodex für die Jahrestagungen erstellt hat.

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Kontakt

Dr. Thomas Lempert, Neurology First: thomas.lempert@schlosspark-klinik.de, 030/3264–1158, www.neurologyfirst.de

Niklas Schurig, MEZIS-Vorstand: schurig@mezis.de, 01520/4753503, www.mezis.de

Angela Spelsberg, AG Gesundheitswesen TI Deutschland e.V.: spelsberg@tuzac.de , 0162/2829061, www.transparency.de