Bestechlichkeit

Wer Industriegelder annimmt, ist nicht automatisch bestechlich

Bestechlichkeit ist die Annahme eines Vorteils als Gegenleistung für eine pflichtwidrige Handlung. Bestechlichkeit wird in Deutschland mit Haft bis zu 5 Jahren bestraft. Ein niedergelassener Arzt darf nach einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs nicht wegen Bestechlichkeit verurteilt werden, weil er kein Amtsträger ist. Für die Beeinflussung von Ärzten durch die Industrie spielt Bestechung allerdings auch keine wesentliche Rolle, von einigen schwarzen Schafen einmal abgesehen. Zur Führung der weißen Schafe ist eine andere Methode üblich: die geldwerte Zuwendungen ohne die Verknüpfung mit einer pflichtwidrigen Handlung, so dass die Illusion der Unabhängigkeit erhalten bleibt (Reziprozität).

Beispiele sind gesponserte Kongressbesuche, überhöhte Honorare für Vorträge und Beratungstätigkeiten, pharmafinanzierte Fortbildungsveranstaltungen und Unterstützung von Qualitätszirkeln. Diese flächendeckende Landschaftspflege führt zu einer Verflechtung ganzer Fachgebiete mit industriellen Sponsoren und trägt die erwarteten Früchte – andernfalls wäre sie eine milliardenschwere Fehlinvestition. Das dichteste Gewebe, das sich aus aus Schafswolle herstellen lässt, ist übrigens der Filz.